|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
zurück
zur Auswahl |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
DER TIERKREIS ALS HIMMLISCHES SYMBOL
DER GANZHEIT
HAJO BANZHAF
Vor etwa 5000 Jahren erlebte die Astrologie im Zweistromland zwischen
Euphrat und Tigris bei den Sumerern, Babyloniern und Chaldäern
ihre erste Hochblüte. Die Astralpriester dieser Völker
erkannten im Aufbau des Himmels einen Tempel, den sie in allen großen
Städten nachbauen ließen. Zikkurat nannte man diese Stufentürme,
die aus fünf Stockwerken bestanden und auf deren oberster Plattform
sich der eigentliche Tempel befand. Die bekannteste Zikkurat war
der Turm von Babylon, der innerhalb des Marduk-Heiligtums mit einer
Grundfläche von 8000 m² und einer Höhe von 90 m entstand.
Zu Unrecht wurde er zum Symbol menschlichen Größenwahns.
Den Priestern ging es nicht darum, einen Turm bis in den Himmel
zu bauen, wie es die Bibel berichtet, sondern zu Ehren der Götter
auf Erden einen vollkommenen Tempel nach himmlischen Bauplan zu
errichten.
Das Wort Tempel geht auf das lateinische templum
zurück, womit ursprünglich ein Ausschnitt des Himmels
bezeichnet wurde. Um zu verstehen, wie darin das Modell eines auf
Erden nachzubauenden Tempels gesehen werden konnte, muss man die
Welt natürlich aus der bis heute für die Astrologie typischen
antiken, geozentrischen Sicht betrachten, bei der die Erde im Mittelpunkt
steht. Fast alle Sterne, die wir am nächtlichen Himmel sehen
können, sind scheinbar an das Himmelsgewölbe fixiert.
Zwar gehen sie auf und unter, indem sie sich mit dem gesamten "Himmelsgewölbe"
von Osten nach Westen bewegen, aber innerhalb ihrer Konstellation
erscheinen sie fix und unbewegt. So zieht etwa der Große Wagen
jede Nacht über uns hinweg, aber die sieben Sterne, die ihn
bilden, stehen in einem festen Verhältnis zueinander. Diese
zahllosen Sterne, die so ihren festen Platz am Himmelsgewölbe
haben, nennt man seit alter Zeit Fixsterne. Daneben gibt es sehr
wenige Lichter, die durch dieses Meer von Fixsternen wandern und
die man deshalb Wandelsterne oder Planeten nennt. Sieben von ihnen
sind für das menschliche Auge sichtbar und deshalb seit alter
Zeit bekannt. Uranus, Neptun und Pluto sowie zahlreiche Kleinplaneten
wurden dagegen erst in den letzten 200 Jahren entdeckt.
Von früh an hat es den Menschen fasziniert,
dass diese Wandelsterne nicht etwa kreuz und quer über das
himmlische Firmament ziehen, sondern alle - zumeist in gleicher
Richtung - über eine Bahn wandern, die die Erde wie ein Band
kreisförmig in Ost-Westrichtung umgibt. Diese Planetenbahn,
die wir heute Ekliptik nennen, betrachteten die Menschen ursprünglich
als den Himmelsdamm und in den Wandelsternen, die dort entlang ziehen,
sahen sie ihre Götter. Aus der Zeit, die der Mond braucht,
um diesen Kreis zu durchwandern entstand der Monat, während
die Zeit, die die Sonne für einen Umlauf benötigt das
Jahr ausmacht.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
Die Bahn, über die alle Planeten wandern,
umgibt die Erde wie ein Band.
Die Zeit, die die Sonne für einen Umlauf braucht, nennen wir
ein Jahr,
während die 28 Tage eine Mondumlaufs die ursprüngliche
Dauer eines Monats war.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
Die Sonnenumlaufbahn
(= Ekliptik) verläuft schräg zum Erdäquator.
Dadurch steigt die Sonne im Laufe des Jahres immer höher, bis
sie am 21. Juni zur Sommersonnenwende umkehrt und zu ihrem Tiefpunkt
absteigt, den sie bei der Wintersonnenwende am 21. Dezember erreicht.
Die Schnittpunkte ihrer Umlaufbahn mit dem Äquator sind die Tag-
und Nachtgleichen am 21. März und am 23. September. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Weil diese Bahn
schräg zum Äquator steht, scheint es uns, dass die Planeten
manchmal höher am Himmel stehen und zu anderen Zeiten tiefer.
Besonders auffallend ist dieser Wechsel beim Sonnenumlauf, zumal sich
daraus für uns die Jahreszeiten ergeben. Wandert die Sonne durch
den Halbkreis, der über den Äquator "hinaus" führt,
erleben wir auf der nördlichen Halbkugel das Sommerhalbjahr,
wohingegen sie im Winterhalbjahr den "tiefer" gelegenen
Halbkreis durchläuft. An den Umkehrpunkten erreicht sie ihren
Höchts- und ihren Tiefstand, wodurch diese Tage entsprechend
lang oder kurz sind. Am 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres
haben wir in unseren Breitengraden (50°) über 16 Tagesstunden
und die Sonne erreicht eine Höhe von mehr als 63 Grad, während
der 21. Dezember, der kürzeste Tag des Jahres nur ganze acht
Tagesstunden hat, und der Höchststand der Sonne keine 17 Grad
erreicht. Die beiden Punkte, an denen die Sonnenumlaufbahn den Äquator
kreuzt bilden den Frühlings- und den Herbstanfang bei denen Tag
und Nacht jeweils gleich lang sind.
Schematisch dargestellt bildet die Ekliptik einen
Kreis, der sich - den vier Jahreszeiten entsprechend - in vier gleiche
Sektoren teilt. Die Übergänge, die als die vier heiligen
Stationen im Jahreslauf der Sonne galten, werden jährlich durch
den längsten und den kürzesten Tag, sowie von den beiden
Tag- und Nachtgleichen markiert. Vor 5000 Jahren, als diese Symbolik
vom Himmel abgelesen wurde stand die Sonne an diesen heiligen Tagen
in den Tierkreiszeichen, die zu Symbolen für die vier Hüter
des Himmels wurden, für die Wächter der vier Winde, die
Träger der Horizonte und zu den vier Cherubim, den Trägern
des göttlichen Throns oder des himmlischen Altars. Am bekanntesten
sind sie jedoch als Symbole der vier Evangelisten und der vier Elemente:
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
DIE SYMBOLIK DER VIER
HEILIGEN STATIONEN IM JAHRESLAUF DER SONNE
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Tierkreiszeichen
im Stierzeitalter
Stier
Löwe
Skorpion
Wassermann
|
Station im Jahreslauf
Frühlingsanfang
Sommeranfang
Herbstanfang
Winteranfang
|
Element
Erde
Feuer
Wasser
Luft
|
Cherub/
Symbolwesen
Stier
Löwe
Adler
Engel
|
Evangelist
Lukas
Markus
Johannes
Matthias
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Die Sonne erreicht jährlich
auf ihrer Umlaufbahn die vier Punkte, die dem Wechsel der Jahreszeiten
entsprechen. In alter Zeit nannte man sie die vier heiligen Stationen:
der längste und der kürzeste Tag, sowie die beiden Tag-
und Nachtgleichen.
Diese Sonnenumlaufbahn, über die auch alle anderen Planeten
wandern, unterteilte man schon in früher Zeit in 12 Sektoren,
denen man die Namen der Sternbilder gab, die sich damals hinter
diesen Streckenabschnitten befanden. Da in den meisten dieser Sternbilder
Tiergestalten gesehen wurden, nennt man diese Kreisbahn Tierkreis
oder Zodiak. Die 12 Abschnitte ordnete man den sieben Planeten als
deren Häuser zu, wobei Sonne und Mond über je ein Haus
verfügten, während jeder der übrigen fünf Planeten
zwei Häuser besaß. Auf den heutigen Sternenhimmel übertragen
sieht dieses Verteilung so aus:
In den 12 Sektoren des Tierkreises sah man früher die Häuser
der Planeten.
Je eins für Sonne und Mond, je zwei für Merkur, Venus,
Mars, Jupiter und Saturn
Da die Sternbilder im Hintergrund dieser Streckenabschnitte nicht
stehen bleiben, sondern alle 72 Jahre um 1 Grad weiterziehen, ergibt
sich über lange Zeiträume eine beachtliche Verschiebung,
die Ursache für die "Schieflage" des obigen Modells
ist.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Geht man 5000 Jahre zurück
zum Sternenhimmel des Stierzeitalters, in dem dieses Modell entstand,
so zeigt es sich ausgewogen und harmonisch: |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Der Zodiak vor
5000 Jahren. Die Sonnenwendachse teilt den Kreis ist zwei gleiche
Hälften, während die "Planetenstockwerke" aufeinander
aufbauen.
In diesem ursprünglichen Modell ist leicht
der himmlische Tempel zu erkennen, den die Astralpriester in ihrer
Zikkurat nachbauen ließen. Zugleich aber macht es verständlich,
wie es zu dem klassischen Herrschersystem kam, das die Astrologie
bis heute kennt. Im obersten Stockwerk regieren Sonne und Mond +
, darunter Merkur , gefolgt von Venus , Mars und Jupiter , während
Saturn als traditioneller Regent von Steinbock und Wassermann das
untere Geschoss beherrscht.
Dieses Himmelsmodell wurde auch zum Vorbild für
den geheimnisvollen Transformationsprozess, der im Zentrum der Alchemie
steht, jener Wissenschaft, die zeitgleich mit der Astrologie aus
der Kunst der Metallschmelze entstand. Ihr Ziel war es, durch ständiges
Lösen und Binden nicht nur immer reinere Metalle zu gewinnen
sondern unedle Metalle (Blei) in edles Gold zu transformieren. In
diesem Bestreben sah man nichts Widernatürliches. Nach antiker
Überzeugung spinnen die Planeten durch Ihr ständiges Umkreisen
organische Metalle im Schoß von Mutter Erde. Aus Saturns Umläufen
entsteht Blei, Jupiter schafft Zink, Mars Eisen, Venus Kupfer, der
Mond Silber und die Sonne reines Gold. Das höchste Ziel aller
Metalle aber sah man darin, zu Gold zu werden. Diesen aus ihrer
Sicht natürlichen Vorgang, diesen aller Natur innewohnenden
Drang nach Höherentwicklung versuchten die Alchemisten "lediglich"
zu beschleunigen. Nach dem hermetischen Prinzip "Wie Innen
so Außen" war klar, dass ein solche Wandlung im Äußeren
nur dann erfolgreich sein konnte, wenn auch der Alchemist selbst
einen entsprechenden inneren Transformationsprozess durchlaufen
hatte, und nach dem Prinzip "wie Oben so Unten" konnte
diese Wandlung nur dann gelingen, wenn sie im Einklang mit den richtigen
astrologischen Konstellationen stand. Die für uns heute so
befremdliche Vorstellung dieser Wandlung von Blei zu Gold hat die
Alchemie ursprünglich vom himmlischen Geschehen abgelesen.
Der Jahreslauf der Sonne war ein himmlisches Vorbild für den
erstrebten Transformationsprozess.
Im Laufe des Jahres "klettert" die Sonne
von dem tiefsten Punkt des Kreises, der Wintersonnenwende, Tag für
Tag am rechten Kreisbogen etwa 1 Grad höher, bis sie am Tag
der Sommersonnenwende den höchsten Punkt erreicht hat, von
dem an sie sich wieder abwärts bewegt. An ihrem höchsten
Punkt, zur Zeit der Sommersonnenwende, erreicht die Sonne ihre größte
Strahlkraft und glänzt wie leuchtendes Gold. An ihrem Tiefpunkt
dagegen, dem Tag der Wintersonnenwende, wirkt sie blass und so kraftlos,
dass sie nur noch flach über eine kurze und tiefe Bahn am Himmel
zu "kriechen" vermag. Zudem hat sie fast all ihre Wärme
verloren und schimmert bläulich. Die Menschen der alten Zeit
kannten die Ursache für dieses Problem. Sie glaubten, die Sonne
sei krank, sie sei voller Blei. Deshalb war ihre Leuchtkraft geschwunden
und sie war so schwer geworden, dass sie nicht mehr höher steigen
konnte. Um die herannahende Katastrophe zu verhindern, die ihr völliges
Erlöschen bedeutet hätte, musste man ihr helfen. Und da
es ihr offensichtlich an Feuer fehlte half man ihr nach dem hermetischen
Prinzip "wie Oben - so Unten", indem man hier unten auf
der Erde viele Feuer entzündete, damit sich auch das Sonnenfeuer
oben am Himmel wieder entfachen konnte. Jahr für Jahr hatten
die vielen Lichter und Feuer, die zur Wintersonnenwende aufflammten
die gleiche heilsame Wirkung für die Sonne. Sie genas, gewann
von Tag zu Tag wieder mehr an Kraft und kehrte Stufe um Stufe zurück
auf ihren sommerlichen Thron. Reste dieses alten Brauchtums finden
sich bis heute in dem zunehmenden Kerzenlicht des Adventskranzes,
und natürlich im Weihnachtsbaum, mit dem wir die längsten
Nächte des Jahres erhellen.
Es wurde aber auch vermutet, dass die Sonne am
kürzesten Tag tatsächlich stirbt und am folgenden Tag,
der als Neujahrstag gefeiert wurde, neu geboren wurde. Dieses Geheimnis
von Tod und Wiedergeburt hütet Saturn, der Herrn des großen
Schweigens, da er die beiden Streckenabschnitte Steinbock und Wassermann
beherrscht, an derem Übergang - damals im Stierzeitalter vor
5000 Jahren - die Wintersonnenwende stattfand. In dieser Zeit -
so erzählte man sich - muss die Sonne die Wasser des Todes
(Steinbock) durchqueren, um in den dahinter fließenden Wassern
des Lebens (Wassermann) neugeboren zu werden.
Saturn, der Herrscher der untersten Schwelle wird
traditionell mit Blei gleichgesetzt, dem finsteren, zu wandelnden
Stoff der Alchemie. Mond und Sonne dagegen, die im obersten Geschoss
regieren, stehen für Silber (Mond) und Gold (Sonne) und symbolisieren
zugleich die beiden höchsten Stufen des Transformationsprozesses.
So bestätigt der Sonnenlauf uns Jahr für Jahr erneut,
wie die Wandlung vom Niedersten zum Höchsten Blei zu Gold werden
lässt. Dieses himmlische Phänomen war sichtbarer Beweis
für den alchemistischen Grundsatz, wonach Blei im Innersten
reinstes Gold ist, was besagt, dass das Edle im Rohen enthalten
ist, ebenso wie das Gute im Bösen. So verstanden enthält
selbst Hass bis zur Unerträglichkeit verdichtete und verhärtete
Liebe, die aber durch Wandlung jederzeit wieder daraus hervorgehen
kann, ebenso wie Neid zu Wohlwollen und Geiz zu Großmut transformiert
werden kann.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
C.G. Jung sah in der
Alchemie die "Psychologie des Mittelalters", die in ihrer
symbolreichen Sprache den Wandlungsprozess beschrieb, der notwendig
ist, um bedrückende Schwere, alte Muster und anderes "Blei"
zu überwinden. Und auch die psychologisch geprägte Astrologie
weiß, dass sich in saturnalen Strukturen oft die besten Möglichkeiten
eines Menschen verbergen, wenn sie nur gewandelt werden. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Seit der Entdeckung
Plutos kennen wir auch die Kraft, die solch tiefgreifende und oft
mühsame Wandlungen bewirkt. Stets beginnt der Transformationsprozess
im tiefsten Schwarz, in saturnalen Phasen der Trauer, der Verlorenheit,
des Schmerzes und der Schwermut. Der neue Morgen - der gewandelte,
neue Mensch - ist nicht im Handumdrehen zu erreichen sondern nur Schritt
für Schritt durch die einzelnen Phasen oder Stockwerke. Im obersten
Bereich, im allerheiligsten Tempelbezirk, zu dem uns eine innere Kraft
immer wieder drängt, liegt das Ziel, das viele Namen hat. Religionen
nennen es Heil, Mystiker sprechen von der All-Einheit, im Parzifalmythos
ist es der Gral und in Märchen die Erlösung von der verwunschenen
Gestalt. Psychologen nennen es Ganzheit oder auch die geeinte Persönlichkeit,
für die Alchemisten ist es der Stein der Weisen, der alle Metalle
zu Gold werden lässt.
In diesem Himmelsmodell verbirgt sich aber
noch ein wunderbares Symbol der
Ganzheit. Die Astrologie lehrt seit
alter Zeit, dass sich die 12 Abschnitte des Zodiaks aus 6 männlichen
und 6 weiblichen Zeichen zusammensetzen, die sich stets miteinander
abwechseln. So gilt das Zeichen Widder als männlich, Stier
als weiblich, Zwillinge wieder als männlich und so weiter.
Verbindet man nun zum einen die männlichen und zum anderen
die weiblichen Streckenabschnitte miteinander indem man den Stockwerken
folgt, erscheinen am Himmel zwei Schlangen, die sich um die Sonnenwendachse
winden. Aus diesem himmlischen Vorbild ist der Caducäus, der
Schlangestab des Hermes entstanden, der ursprünglich genau
diese Anzahl an Windungen hatte. Aber auch das Modell der sieben
Chakras, die von zwei Schlangen umwunden werden, ist ein Spiegelbild
dieses himmlischen Bauplans.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
 |
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Verbindet man sowohl
die männlichen Zeichen untereinander wie auch die weiblichen,
erscheinen im Tierkreis zwei Schlangen, die sich um die Sonnenwendachse
drehen. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Auch im Modell der sieben
Chakras spiegelt sich der himmlische Bauplan |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Damit aber wird
der Zodiak zu einem Ganzheitssymbol, in dem sich die Gegensätze
verbinden. Die männliche Schlange hat ihren Ursprung (das Ende
des Schwanzes) auf der weiblichen Seite, während die weibliche
Schlange auf der männlichen Seite entspringt. Berücksichtigen
wir, dass auf der Symbolebene das Männliche dem Yangprinzip und
dem Leben entspricht, das Weibliche dagegen dem Yinprinizp und dem
Tod, dann lassen sich aus diesem Bild die folgenden Einsichten ableiten:
* Die Todesschlange entstammt der Lebensseite
wohingegen die Lebensschlange aus der Todesseite hervorgeht.
* Die Sonne gewinnt in ihrem Jahreslauf auf der weiblichen Todesseite
(rechts) immer mehr an Leben, wohingegen sie auf der männlichen
Lebensseite (links) nach und nach erstirbt.
* Während Aktivität (Yang) stets auf den Punkt zueilt,
an dem sie sich erschöpft, wächst aus der Ruhe der Passivität
(Yin) neue Lebenskraft heran.
* Das Leben wird aus dem Tod geboren, während der Tod im Laufe
des Lebens als eine Frucht in uns heranreifet.
* Während auf der männlichen Lebensseite das göttliche
(= goldene) Licht in bleierne Erdenschwere (Saturn) herabsinkt,
wird es auf der weiblichen Seite gewandelt und zum höchsten
Punkt zurückgeführt.
Miteinander vereint bilden die weibliche (rechte)
Schlange und die männliche (linke) Schlange ein Ganzes und
verbinden damit nicht nur die Urpolaritäten miteinander, sondern
tragen auch jeweils die Idee des Gegenpol in sich. Damit hat der
ursprüngliche Tierkreis die gleiche ausgewogene Symbolik wie
sie uns heute viel eher aus dem Tai-Chi bekannt ist, dem zentralen
Symbol des Taoismus.
Das Tai-Chi des Taoismus und die im ursprünglichen
Tierkreis verborgene Lebens- und Todesschlange haben die gleiche
Symbolik.
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
oben |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Artikel erstmals erschienen in: Astrologie Heute, Heft 92
Literatur:
Julius Schwabe, Archetyp und Tierkreis, Basel 1951 (Verlag Benno
Schwabe)
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|