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Angst
In tiefenpsychologischer und astrologischer Sicht
Angst ist ein absolut interdisziplinäres
Thema.
Vertreter vieler verschiedener Disziplinen beschäftigen sich
intensiv mit ihr: neben den Psychologen sind es die Mediziner, die
Theologen, die Philosophen und schließlich die Biologen, bes.
die Evolutionsbiologen. Alle untersuchen Entstehung und Bedeutung
jenes ebenso merkwürdigen wie mächtigen Gefühlszustandes,
den wir Angst nennen (S.I). Und an uns Astrologen wird dieses Thema
in Beratungen ebenso herangetragen: Was können wir aus dem
Horoskop zu Entstehung, Bedeutung und Bewältigung von Angstzuständen
sagen?
Dazu benötigen wir zunächst eine klare Vorstellung über
das Wesen der Angst und darüber, wann und warum sie zur Krankheit
werden kann.
Im Grunde müssten wir uns also mit allen oben genannten Disziplinen
auseinandersetzen. Da dies sehr aufwendig wäre, genügt
es vielleicht, sich mit jenem Wissen auseinanderzusetzen, das in
der modernen Tiefenpsychologie seinen Niederschlag gefunden und
zu sinnvollen Therapiekonzepten geführt hat.
1. Angst ist ein unverzichtbarer Alarm-
und Schutzmechanismus des Menschen.
Angst ist ebenso wie Schmerz eine positive Erfindung der sich entwickelnden
Organismen in der Evolution: beide dienen dem Überleben und
sind unverzichtbar. Beide können aber entgleisen und zu Krankheiten
werden. Dabei sind Angst und Schmerz in ihrer evolutionären
Entwicklung sehr eng verwandt. Schmerz allerdings ist noch zentraler
und bedeutungsvoller: es gibt eigene Nervenbahnen die für eine
schnelle und effektive Schmerzleitung zuständig sind. Überleben
und Unversehrtheit des Organismus hängen elementar davon ab,
dass wir durch Schmerzempfindungen vor unmittelbaren körperlichen
Gefahren gewarnt werden. Dabei sind Schmerzreflexe zum Schutz unseres
Körpers schneller, als es unser Verstand sein könnte:
wenn z.B. ein Fremdkörper in unser Auge fliegen will, reagieren
wir blitzschnell mit dem Lidschlussreflex.
Angst nun ist evolutionär gesehen eine Ergänzung und Fortsetzung
der Schmerzfunktion. Angst soll uns vor Gefahren warnen, die zwar
nicht unmittelbar unseren Körper betreffen, also noch nicht
zum Schmerz geführt haben, aber ev. für Überleben
und Gesundheit bedrohlich werden können. Wenn wir etwa nachts
durch eine dunkle Gasse gehen oder bei heftigem Regen schnell auf
der Autobahn fahren, werden wir normalerweise in eine Art Alarmstimmung
geraten, die z.B. mit erhöhter Wachsamkeit, schnellerem Puls
und einer Gefühlsanspannung einhergeht, die wir Angst zu nennen
pflegen. Der Nutzen ist, dass wir in beiden Situationen uns der
Gefahr für Leib und Leben bewusster werden und mit erhöhter
Wachsamkeit der Gefahrensituation begegnen. Während aber Schmerz
erst auftritt, wenn eine Noxe (ein schädigender Reiz) uns unmittelbar
trifft, warnt uns Angst schon bei Eintritt einer Situation, die
Gefährdungspotentiale enthält. Schmerz und Angst gehören
also positiverweise zu unserem Leben.
2. Wann werden Schmerz und Angst zu
Krankheiten?
Schmerz kann chronisch werden und sich von jeder positiven Schutz-
oder Signalfunktion ablösen. So kann ein Patient etwa seit
Jahren an chronischen Schmerzen des Trigeminus-Nerves im Gesicht
leiden, verbunden mit heftigen Schmerzattacken, und ohne dass ein
Sinn offensichtlich wäre noch ein vernünftiger Anlass.
Schließlich helfen oft weder Schmerzmittel noch Operationen,
und der Schmerz ist schädigend für Organismus und Seele
geworden. Meist lässt sich eine medizinische Erklärung
nicht finden. Wir bezeichnen diese Schmerzzustände dann als
psychosomatisch, d.h. wir gehen davon aus, dass sie psychisch bedingt
sind. Sie können Ausdruck von Selbstbestrafung aufgrund unbewußter
Schuldgefühlen sein etc. Dieses genauer zu verfolgen würde
aber zu einem anderen Thema führen.
Auch von der Angst wissen wir, dass sie entgleisen kann.
Sie kann zu unbeherrschbaren Angstzuständen ohne einen nachvollziehbaren
Grund führen, oder zu plötzlichen Panikattacken, die wir
nicht verstehen und die unser Leben außerordentlich erschweren
können. Wir können eine Hundephobie entwickeln, die uns
nicht mehr ruhig auf die Straße gehen lässt oder eine
Höhenphobie, so dass wir nicht mehr über Brücken
fahren können.
Wann aber können wir sagen, dass eine Angst entgleist ist?
In München war ich einmal bei einer Veranstaltung des Vereins
Mütter gegen Atomkraft eingeladen. Dabei diskutierten
Atomkraftgegner mit Atomkraftbefürwortern. Erstere schilderten
eindringlich die Gefahren von Atommeilern, letztere bestritten das
Vorliegen ernsthafter Gefahren. Die Gegner unterstellten den Befürwortern
die Verleugnung von Gefahr und Angst, also eine Art kontraphobische
Haltung. Die Befürworter unterstellten den Müttern und
Gegnern hysterische, also neurotische Angst. Ich sollte nun aus
psychologischer Sicht Stellung nehmen. Ich konnte nur sagen, dass
es im Prinzip eine gesellschaftliche, ja vielleicht sogar politische
Entscheidung ist, um die es geht. Wie weit ist die Sorge der Gegner
gerechtfertigt, wann fängt sie an, übertrieben oder neurotisch
zu werden, wo verläuft die Grenzlinie? Und wie weit ist die
Überzeugung der Befürworter von der Sicherheit der Reaktoren
gerechtfertigt, wann fangen sie an, Gefahren zu verleugnen, also
auf neurotische Weise ohne Angst zu sein (Kontraphobie) und wo verläuft
die Grenzlinie? Jede Gesellschaft und Zeit wird hier eventuell andere
Grenzen ziehen, andere Festlegungen vornehmen.
Wenn eine Seminarteilnehmerin zur Diskussion stellt, dass sie als
Frau nach Einbruch der Dunkelheit nur mit Angstgefühlen auf
die Straße geht, stellt sich die Frage: ist das noch berechtigte
Angst oder schon eine Phobie? Sicherlich hängt dies auch davon
ab in welcher Stadt, in welchem Land sie lebt. Dennoch gehen die
Meinungen im allgemeinen auseinander: wie weit handelt es sich noch
um Realangst, ab wann beginnt neurotische Angst?
Damit haben wir aber schon zwei der wichtigsten Begriffe, die Freud
in seiner Angsttheorie definiert hat: Realangst liegt vor, wenn
das Ausmaß der Angst dem Ausmaß der vorliegenden Bedrohung
entspricht. Neurotische Angst liegt vor, wenn die Intensität
des Angstanfalls in keinem Verhältnis zur Gefahr steht. Wenn
z.B. ein Patient in seiner Küche ein kleine Spinne sieht, von
Panik erfüllt die Wohnung verlassen muss und nur mit Unterstützung
durch den Nachbarn wieder zurück kehren kann, dann haben wir
sicher mit neurotischer Angst zu tun und darüber dürfte
leicht ein Konsens herzustellen sein.
In krassen Fällen fällt uns diese Unterscheidung leicht,
aber ab wann würden wir die Atomangst als übertrieben,
als neurotisch bezeichnen? Die Frage der Grenzlinie wird vielleicht
in jeder Zeit und von jeder Gesellschaft anders gesehen.
Damit sind wir aber bei einem grundsätzlichen Ergebnis angelangt:
die Definition von Neurose oder psychisch krank
ist nicht objektiv begründbar, sondern hängt immer auch
untrennbar mit gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten
zusammen.
In der alten Sowjetunion wurden scharfe Gesellschaftskritiker als
Querulanten in der Psychiatrie verwahrt. Ab wann ist
eine Gesellschaftskritik wahnhaft oder querulatorisch?
Im Gegensatz zu vielen medizinischen Erkrankungen, die naturwissenschaftlich
definierbar sind (z.B. lässt sich das Vorliegen einer Entzündung
über eine Blutuntersuchung, das Vorliegen eines Beinbruches
über eine Röntgenaufnahme etc. nachweisen), haben wir
im Bereich der Neurosen nur ein einziges Kriterium: die Unverhältnismäßigkeit
der Reaktion zum Anlass! Die Flucht aus der Wohnung wegen einer
kleinen Spinne ist im neurotischen Sinne unverhältnismäßig.
Aber prinzipiell stellt sich die Frage wer entscheidet, was unverhältnismäßig
ist.
Es ist also wichtig festzuhalten, dass wir zwischen Realangst und
neurotischer Angst immer eine (gesellschaftlich definierte) Grauzone
haben (Skizze 1).
3. Es gibt heute zwei sehr verschiedene
Auffassungen von Angst, entsprechend den zwei großen psychologischen
Theorien, die wir haben: Behaviorismus
und Tiefenpsychologie.
a. Nach behavioristischer (verhaltenstherapeutischer)
Auffassung ist neurotische Angst erlernt:
entsprechend ängstigende Erfahrungen lagen im Übermaß
vor und haben sich eingeprägt. Wenn z.B. ein Hund die Erfahrung
macht, öfter von Männern mit einem Spazierstock geschlagen
zu werden, so wird er anfangen, alle Männer mit einem Spazierstock
zu fürchten und aus der Furcht heraus vielleicht angreifen.
Diese generalisierte Angst wäre dann sicher ein Problem für
Hund und Hundehalter. Lässt man diesen Hund nun positive Erfahrungen
machen, z.B. in dem man ihn anleint und ihm dann oft genug von Männern
mit einem Spazierstock Futter verabreichen lässt, so wird die
negative Erfahrung langsam schwächer werden, die Lernerfahrungen
überlagern sich.
Neurotische Angst entsteht hier durch fehlgelaufene Lernprozesse
und wird durch gezielte neue Lernprozesse (Desensibilisierung) korrigiert.
So schlicht diese Vorstellung von Angst auch ist, in der Praxis
und besonders bei der Desensibilisierung von Angsterkrankungen (z.B.
Hunde- oder Spinnenphobien) hat sie unbestreitbare Erfolge.
b. Weitgehend anders ist das Modell
der Tiefenpsychologie.
Hier entspricht die vorhandene Angst völlig dem ungelösten
und unbewussten Grundkonflikt, auf den sie sich bezieht. Beispiel:
ein 14 Jahre alter Junge lebt allein mit seiner Mutter, sein Vater
starb, als der Junge 5 Jahre alt war. Zuerst klammerte sich der
Junge an die Mutter, die er als ödipalen Besitz
verteidigte, der ihm von keinem Vater streitig gemacht wurde. Dann
wiederum klammerte sich die Mutter an den Jungen, der in die Rolle
des Partnerersatzes geraten war. Die Mutter fing an, die Kontakte
des Jungen zu unterbinden, ihn zu isolieren und seine Schuldgefühle
bei Trennungsimpulsen zu schüren. Der Junge musste sich hilflos
in einem Spinnennetz (wie er später sagte) gefangen
fühlen, sah weit und breit keine Chance zu entkommen. Dieses
Gefangen-Sein musste den Jungen gerade in der Pubertät,
mit den dort natürlichen Ablösungsimpulsen zutiefst ängstigen.
Plötzlich entwickelte er eine Spinnenphobie, suchte jeden Abend
vor dem Einschlafen sein Zimmer nach Spinnen ab, geriet beim Anblick
einer Spinne in Panik etc. Tiefenpsychologen sprechen davon, dass
hier die eigentliche Angst durch den Abwehrmechanismus der Verschiebung
abgewehrt wurde. Die Angst vor der Mutter und der anscheinend unauflöslichen
Bindung an sie wurde verschoben auf die Angst vor Spinnen. Die Spinnen
sind symbolische Ersatzobjekte: sie symbolisieren das
Eingefangen-Werden der Opfer in unsichtbaren Netzen, in denen diese
dann hilflos baumeln...
Zugleich haben wir mit einem sekundären Krankheitsgewinn
zu tun. Die Beziehung zur Mutter wird von unerträglicher Angst
entlastet, was wesentlich ist, da der Junge ja noch Jahre mit ihr
halbwegs verträglich auskommen muss. Die Angst tritt nun in
vollem Umfang am Ersatzobjekt Spinne auf. Dort können
wir sie nicht mehr verstehen, weil wir nicht wissen, was der Junge
wirklich fürchtet und auch er selbst versteht seine Angst nicht.
Wesentlich ist hier aber, dass die Angst auch in ihrem ganzen Umfang
und Ausmaß kein Irrtum oder fehlgelaufener
Lernprozess ist, sondern voll berechtigt, wenn man sie vom
Ort der Verschiebung auf den eigentlichen Ort
der Angst zurückführt. Der Junge befindet sich tatsächlich
in einer ihn verzweifelt ängstigenden Situation.
Die tiefenpsychologische Therapie besteht nun aus zwei Schritten:
erstens muss die Verschiebung rückgängig gemacht werden,
der wirkliche Ort der Angst, d.h. der wirkliche Angst machende Konflikt,
muss gefunden und bewusst werden, zweitens muss der eigentliche
Konflikt bearbeitet und gelöst werden. Der Therapeut müsste
hier also in das Familiengefüge eingreifen und die neurotische
Bindungssituation zwischen Mutter und Sohn bearbeiten.
Hier müssen wir uns also entscheiden zwischen
diesen zwei wesentlichen, verschiedenen Auffassungen von Angst.
Einmal Angst als fehlgelaufener Lernprozess: die Angst ist ihrem
Wesen nach ein Irrtum, ein falsches Lernergebnis, das korrigiert
werden muss und kann. Spinnenangst wird dann durch schrittweise
Konfrontation mit Spinnen trainiert und durch neue Lernerfahrungen
gemildert.
Oder Angst als Reaktion auf einen aktuell unlösbaren Konflikt,
oder aber auf einen solchen Konflikt in der Vergangenheit, der verdrängt
und unbewusst gemacht wurde, der berechtigterweise tiefe Ängste
erzeugt, die aber abgewehrt, damit unbewusst gemacht und verschoben
werden müssen: am Ersatzobjekt oder Ersatzort aber ist die
Angst nicht mehr verstehbar und erscheint unverhältnismäßig.
Eine Lösung kann hier nur in einer Bearbeitung des eig. Grundkonfliktes
bestehen.
Das Horoskop zeigt in den Planeten die Grundmotive
des Menschen an, d.h. seine Grundkonflikte, die aus dem Gegeneinander
der Motive (Planeten) entstehen. Das Horoskop zeigt nicht einzelne
Ereignisse oder Verhaltensweisen, sondern ist eine symbolische Spiegelung
und Darstellung der Motivdynamik in der Seele des Menschen. Es zeigt
also z.B. den (abgewehrten und unbewussten) Grundkonflikt des Jungen
an, die Bindung an seine Familie bzw. Mutter, nicht aber die Spinne
als Ersatz-Angstobjekt.
Also muss sich die Astrologie mit der tiefenpsychologischen Sichtweise
der Angst verbünden, da beide Disziplinen in Symbolen denken
und die in den Symbolen ausgedrückten Konflikte deuten, bewusst
machen und bewältigen wollen.
Auch im Horoskop werden wir also den eigentlichen Grundkonflikt
hinter der Angst erkennen und kaum den Projektionsort. Die Bindung
an die Mutter als Ersatzpartner spiegelt sich sicherlich im Horoskop
(z.B. in Mond- und Saturn-Stellungen), dass als Symbol des Ausdrucks
dieses Konfliktes gerade die Spinne gewählt wird, ist wohl
nicht aus dem Horoskop ersichtlich.
5. Erscheinungsformen der Angst (Skizze
2)
a)Die Angstneurose:
hier tritt die Angst schleichend auf und wird chronisch oder sie
kommt und geht in Schüben. Jeder Angstschub kann Wochen oder
Monate dauern. Zwischen den Schüben können Wochen, Monate
oder auch Jahre liegen. Wesentliches Kennzeichen ist aber, dass
bei der Angstneurose der Angstinhalt verloren gegangen ist, d.h.
die Angst ist scheinbar ohne Grund, bezieht sich auf alles oder
auf nichts. Der Pat. weiß eig. nicht, wovor er Angst hat.
Den Abwehrmechanismus, der dies verursacht, nennen wir Spaltung
von Affekt und Inhalt. D.h. der Affekt Angst bleibt im Bewusstsein
erhalten, aber der Inhalt (d.h. der ungelöste Grundkonflikt)
ist aus dem Bewusstsein ausgeschlossen. Dies macht die (scheinbar
sinnlose) Angst oft noch quälender.
b)Die Panikattacke:
hier tritt die Angst plötzlich, sozusagen überfallsartig
auf und überschwemmt Fühlen und Denken des Menschen, der
dann unfähig zu anderen Gedanken oder gar zur Arbeit ist. Meist
ist aber auch kein konkreter Anlass oder Angstinhalt erkennbar.
Hier liegt eine Ähnlichkeit mit der Angstneurose vor, der selbe
Abwehrmechanismus ist wirksam. Es ist, als ob die bei der Angstneurose
chronische Angst hier geballt durchbricht.
c)Die Phobie:
hier liegen immer konkrete Anlässe und Angstinhalte vor. Der
Abwehrmechanismus ist die oben beschriebene Verschiebung. Wir unterscheiden
z.B.:
die Klaustrophobie: die Angst richtet sich auf enge Räume,
auf das Eingesperrt-, der Freiheit beraubt werden (Klaustrum: der
enge Raum)
die Agoraphobie:
die Angst richtet sich auf das Hinausgehen in die Welt (das Verlassen
des schützendes Heimes), auf Menschenansammlungen, Supermärkte,
wenn viele Menschen dort sind etc. (Agora: der Marktplatz im alten
Griechenland)
Tierphobien: Hunde-, Spinnen-, Mäuse-Phobien etc. Die Angstinhalte
machen sich oft an der Symbolik der Tiere fest (z.B. Angst vor Aggression
bei Hunden etc.)
Akrophobie:
die sog. Höhenangst verhindert z.B. mit dem Auto über
Brücken fahren zu können, mit dem Lift hohe Bauwerke (Türme)
betreten, Skilift oder Gondel fahren zu können
Xenophobie: Fremdenangst. Darunter versteht man die Angst vor fremden
Menschen, bes. anderer Herkunft oder Hautfarbe, aber auch die Angst
vor allen fremden, also neuen Situationen, die im Leben auftreten
können.
Sozialphobie/Erythrophobie:
die Angst sich in sozialen Situationen zu blamieren oder bloß
gestellt zu werden, z.B. durch Erröten bei Angeschaut-oder
Angesprochen werden (Erythrophobie)
Die Kontraphobie:
dies ist eine seltsame Spielart der Angst, die zunächst nicht
an Angst als Hintergrund denken lässt. Menschen zeigen hier
besonders mutiges Verhalten, klettern in extremer Weise auf Berge,
unternehmen äußert riskante Gletschertouren usw. Irgendwann
aber fällt aus, dass diese Menschen geradezu suchtartig immer
wieder extreme Gefahrensituationen aufsuchen, den Thrill steigern
müssen. Schließlich wird sichtbar, dass sie einer Art
Zwang unterliegen, das Spiel mit der Gefahr nicht mehr kontrollieren
können. Wir denken hier an das Märchen: Von einem der
auszog, das Fürchten zu lernen. Den hier wirkenden Abwehrmechanismus
nannte Anna Freud Verkehrung ins Gegenteil. Es ist,
als ob diese Menschen sich selbst und anderen wie unter Zwang ständig
beweisen müssen, keine Angst zu haben, ja im Gegenteil geradezu
angstfrei zu sein.
Wir wollen es hier bei diesen Beispielen belassen,
obwohl es noch weitere Aufzählungen gibt. Wesentlich ist aber,
das der Ort der Angst bei der Phobie meist symbolisch
bestimmt ist, so dass der Inhalt der Ersatzangst deutbar ist. Bei
der Spinnenphobie ist es die Bindungsangst, bei der Höhenphobie
die Absturzangst, also z.B. die Angst Leistungen nicht erbringen
oder halten zu können etc. Der Abwehrmechanismus der Verschiebung
folgt also im allgemeinen symbolischen Kategorien.
6. Evolutionstheoretische Betrachtungen
zur Angst
Es mag in einiger Hinsicht erhellend sein zu betrachten, wie sich
die Angstphänomene im Verlauf der Evolutionsgeschichte entwickelt
haben und in gewisser Weise beim Lebewesen Mensch kumulieren.
a.Basale Ängste
Todesangst: der Selbsterhaltungstrieb und damit die Angst vor dem
aktuellen Tod, also die Angst zu sterben, gefressen zu werden etc.
ist allen Lebewesen innewohnend
Verletzungsangst: die Angst Verletzungen oder auch Schmerzen zu
erleiden, also die Angst vor einer Beschädigung des Organismus
ist ebenfalls bei allen Lebewesen bekannt
Verlustangst: die Angst Besitz zu verlieren, z.B. das
eigene Revier, das ungestörte Fortpflanzung ermöglicht,
oder das Futter, das gesammelt und versteckt wurde
b.Soziale Ängste
Diese Ängste gelten nur für eine bestimmte Gruppe von
Lebewesen, nämlich denjenigen, die in sozialen Verbänden
zusammen leben, also z.B. im Wolfsrudel oder in der Primatengruppe
(Menschenaffen etc). Diese Ängste gelten nicht für sogenannte
Einzelgängerlebewesen. Nashörner leben z.B. prinzipiell
alleine in einem eigenen Revier, sowohl Bullen wie Weibchen. Nur
zur Paarungszeit kommen die Nashörner kurz zusammen und nur
bis zur Selbständigkeit duldet das Nashornweibchen die Kinder
im eigenen Revier. Eugene Ionesco erlangt mit seinem 1959 geschriebenen
Theaterstück Die Nashörner Berühmtheit,
begründete letztlich das absurde Theater. In diesen Stück
beschreibt er die spontane Verwandlung der Menschen in Nashörner,
bis nur noch solche übrig sind. Die Abdankung der Menschheit
heißt der Untertitel dieses Stückes. Die Menschen hören
also auf soziale Wesen zu sein und verwandeln sich in Einzelgänger.
Eine Allegorie auf die Entwicklung des modernen Menschen. Für
soziale Lebewesen aber gelten folgende weitere Ängste:
Angst vor sozialer Isolierung/ Ausgestoßen-Werden: also die
Angst vom Rudel, das Schutz und Sicherheit verspricht, verstoßen
zu werden
Angst vor sozialem Abstieg: in sozialen Verbänden gibt es meistens
Hierarchien. Z.B. gibt es im Hühnerhof die sog. Hackordnung:
das oberste Huhn darf alle hacken und wird von keinem gehackt, das
unterste Huhn darf keinen hacken, wird aber von allen gehackt etc.
Oder im Wolfsrudel darf sich nur der Alpha-Rüde fortpflanzen,
alle anderen Rüden müssen warten. Jedes Frühjahr
gibt es die Rangordnungskämpfe, die eine neue Rangordnung festlegen.
Der ältere Wolf kann also Angst haben abzusteigen, seine Privilegien
zu verlieren etc.
c.Humane Ängste
Hier sprechen wir nun von den Ängsten, die spezifisch für
den Menschen sind. Durch seine Cerebralisation (Gehirnentwicklung)
in den letzten zwei Millionen Jahren hat sich vor allem der Cortex
(das Großhirn) enorm entwickelt (das Gehirnvolumen insgesamt
hat sich fast verdreifacht). Der Cortex ermöglicht eine Zeitperspektive
und Selbstreflexion. Der Mensch kann also in die Zukunft denken
und demnach auch vor der Zukunft Angst haben.
Angst vor der Zukunft: hier findet eine Verdoppelung der Ängste
statt. Jede aktuelle Angst kann vom Menschen in die Zukunft projiziert
werden und ihn solcherart ängstigen. Also selbst ein Multimillionär
kann für die Zukunft Verarmungsängste haben.
Wer garantiert, dass sein Vermögen in alle Zukunft erhalten
bleibt? Alle oben genannten aktuellen Ängste können also
als aus der Zukunft drohend erlebt werden.
Angst vor dem Tod: hier ist nicht die aktuelle Todesangst gemeint,
die bei unmittelbarer Bedrohung des Lebens, z.B. durch ein Raubtier
auftritt, sondern das Wissen um die Sterblichkeit, den schließlichen
Tod. Die Griechen verkündeten: die Tiere sind sterblich und
wissen es nicht, die Götter sind unsterblich und wissen es,
nur der Mensch ist sterblich und weiß es...
Metaphysische Ängste: diese Ängste gibt es nur beim Menschen.
etwa die Angst in die Hölle zu kommen (Sündenangst), oder
die Angst, dass das eigene Leben sinn- und wertlos wäre (Existentialismus)
etc.
Angst vor der Angst: auch dies ist eine spezifisch menschliche Angst,
die aus der Zeitperspektive resultiert. Ein Tier kennt nur die unmittelbare,
aktuelle Angst, die aus einer Bedrohung resultiert. Der Mensch aber
kann sich vor der nächsten Panikattacke, dem nächsten
Schub der Angstneurose fürchten, der noch gar nicht stattgefunden
hat. Dies mag dann als besonders quälend erscheinen.
Die nächste Frage ist nun: wie zeigen sich
diese Ängste im Horoskop des betreffenden Menschen?
Literaturliste:
I.Ditfurth, Hoimar v.: Aspekte der Angst
II.Mentzos, Stavors. Angstneurose
III.Balint, Michael: Angstlust und Regression
IV.Rüger, Ulrich: Neurotische und reale Angst
V.Riemann, Fritz: Grundformen der Angst
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