Die Psychodynamik der Angst im Horoskop

Angst ist ein sehr komplexes seelisches Geschehen. Grundsätzlich ist Realangst ein wichtiger Warn- und Schutzmechanismus und erst die Entgleisung zur neurotischen (übersteigerten) Angst wird zum Problem. Immer aber haben wir mit einem komplexen Geflecht aus Motiven, Wünschen, Erwartungen, traumatischen Erfahrungen etc. zu tun.
Also wird es keine einfachen astrologischen Rezepte geben, wie sich Angstprobleme im Horoskop abbilden. Die mittelalterliche Neigung zu „einfachen Rezepten“ muss ebenso enttäuscht werden wie die modernere Darstellung, die sich noch in manchen Lehrbüchern findet, dass nur ein Planet, nämlich Saturn, für Ängste zuständig ist.

Stellen wir uns den
Fall eines Mannes von 38 Jahren vor, der unter einer sozialen Phobie leidet (wir werden später sein Horoskop besprechen): Er lebt tagaus tagein zurückgezogen in seinem Appartement, hat eigentlich nur mit seiner Herkunftsfamilie (Bruder und Eltern) Kontakt sowie mit seinem Therapeuten. Schon die erste Therapiesitzung eröffnete er mit den Worten: „Ich bin eine männliche Jungfrau.“ Er hatte also noch nie einen intimen Kontakt „mit einem weiblichen Wesen“. Welches Ausmaß muss die Angst vor Kontakt, vor Nähe, vor Verletzung in engen Beziehungen haben, dass diese Angst einen Menschen so lange und so stark isoliert, sein Kontaktleben völlig beherrscht?

Wir haben zehn Planeten in unserem Horoskop: Sie stellen die zehn archetypischen Motive, also die Urbedürfnisse des Menschen dar. Oder in der Sprache der Energie-Metapher gesagt: die zehn Planeten stellen zehn Energiequellen dar, die uns in unserem Leben antreiben. Um eine so starke Angst, also eine so starke Energie aufzubringen, wie in obigem Fall geschildert, müssen notwendigerweise mehrere Planeten mit ihren Energien zusammenwirken.

Ausgeprägte Ängste, Phobien oder Angstneurosen, werden sich in Planetenkonstellationen abbilden, d.h. in jeweils mehreren Planeten, die aspektarisch miteinander verbunden sind, nämlich in Aspektfiguren stehen und eine Art Motivnetzwerk bilden. Eine solche Planetenkonstellation, in der drei oder vier (von zehn) Planeten eingebunden sind, verfügt natürlich über entsprechend starke Energien. Diese Energien (oder Motive) können nun “abgespalten“, d.h. nicht mehr bewusst steuerbar oder dem Bewusstsein überhaupt nicht mehr zugänglich sein. Und wenn nun auch das Unbewusste sie nicht mehr sinnvoll (konstruktiv) im Lebensrahmen einsetzen kann, dann entstehen meist Symptome. Und nicht nur Angsterkrankungen, sondern Symptome aller Art, also auch psychosomatische Erkrankungen, Depressionen, Suchterscheinungen etc.

Warum es zu solchen Abspaltungen kommt und welche Symptome sich dann bevorzugt bilden, ist die entscheidende tiefenpsychologische Frage.
Astrologisch stellt sich uns nun die Frage: Welche Planetenkonstellationen zeigen im Horoskop die Tendenz zu Ängsten an und zu welcher Art von Ängsten?
Und hier stellt sich ein Problem, das typisch für den Bereich Angst ist: Es gibt kein zweites Symptom, das derart wandelbar und vielfältig ist. Wie schon in Teil I beschrieben, kann sich Angst auf fast alles richten: Angst vor Nähe oder vor Einsamkeit, vor Höhe oder jeder Art von Tieren, vor allem Fremden, ja sogar vor der (unbekannten) Zukunft und schließlich gibt es auch noch die Angst vor der Angst...

Astrologisch heißt das, dass im Prinzip jede Planetenkonstellation unter bestimmten Bedingungen Anlass für Angstentwicklungen sein kann. Also alle zehn Urmotive oder Urbedürfnisse können sich mit Ängsten verbinden. Umgekehrt gibt es keinen einzelnen Planeten oder keine Planetenverbindung, die notwendigerweise mit Angstentwicklungen verbunden sein müsste!

So heißt unsere nächste Frage: Unter welchen Bedingungen kann denn eine Planetenkonstellation auf die Entwicklung von Ängsten verweisen?
Dann, wenn Planeten eine sogenannte „exponierte Stellung“ haben.
Dies sind Formen von besonderen Stark- oder Schwachstellungen in Zeichen, Haus und Aspekt, wie wir sie bei API definiert haben.
Solche Stellungen, erstaunlicherweise sowohl Schwach- wie Starkstellungen, finden wir immer im Horoskop vor, wenn z.B. Angstsymptome bei einem Menschen ausgeprägt sind.
Umgekehrt ist es aber auch möglich, dass solche exponierten Stellungen psychisch gut verarbeitet und im Leben konstruktiv eingesetzt werden können, so dass es zu keinerlei Symptombildungen kommt.
Das Horoskop an sich zeigt also nur das Potential, die Möglichkeit zu einer Herausforderung der Kräfte, die zu Angstsymptomen führen kann. Wir haben also zwei Deutungsrichtungen im Umgang mit dem Horoskop und Fragen der Angst.

1.Wenn eine Angstproblematik bei einem Menschen vorliegt (s. oben), so kann man fragen, welche exponierten Stellungen im Horoskop „entgleist“ sind, nicht bewältigt werden konnten und dies im Rahmen von Beratung oder Therapie thematisieren.

2.Wenn ein Horoskop vorliegt ohne weitere Kenntnisse über die Person, so kann man nur eine Analyse der Angstpotentiale vornehmen, also der Frage nachgehen, welche Stellungen so exponiert sind, dass sie zu Angstsymptomen führen könnten, wenn eine Bewältigung nicht gelingt.
Sehen wir uns nun drei astrologische Fallunterscheidungen näher an: die Stark- und Schwachstellung und die Normalstellung.

1.Fall – Die Normalstellung:
Nehmen wir als Beispiel eine Sonne auf 8 Grad Jungfrau am Invertpunkt des 2. Hauses mit zwei blauen Aspekten (z.B. zu Merkur und Venus) und einem roten Aspekt (Quadrat zu Jupiter). Die Sonne steht gut im Zeichen, gut im Haus und ist gut aspektiert. Es wird kaum zu extremen Herausforderungen oder Aufgabenstellungen kommen (2. Haus IP) und die Aufgaben, die sich zum Thema, z.B. Besitz, stellen werden, dürften mit den vorhandenen Fähigkeiten (gute Stellung im Zeichen, hilfreiche Aspektverbindung zu Jupiter und Merkur) ausreichend gelöst werden können. Eine solche „Normalstellung“ gibt meist weder Anlass zu besonderen Höhenflügen und Zielidealen noch zu besonderen Abstürzen oder Enttäuschungen. Sie wird also kaum mit Symptombildungen in Zusammenhang gebracht werden können.

2. Fall – Die Schwachstellung:
Stellen wir uns im Horoskop eines Mannes eine Sonne auf zwei Grad Fische am Talpunkt des 6. Hauses im Lerndreieck mit Quincunx Mars und Quadrat Jupiter vor.
Immer wenn Leistungsherausforderungen aus dem 6. Haus kommen, wohl schon beginnend in der Schule, besonders aber später bei Berufswahl und Berufsausübung, wird dieser Mann mit der Fischesonne die Erfahrung machen, dass er sich erst mal zurückzieht, meditiert, am liebsten nur soziale Aufgaben übernehmen würde, die seiner Sensitivität entsprechen etc. Auch verlangt der Talpunkt Reflexion und eine Klärung der eigenen Motive, am besten die Entwicklung geistiger, mindestens aber gewisser ethischer Motive für die Entfaltung der eigenen Sonne. Oft wird er deshalb die Erfahrung machen, „zu lange“ zu brauchen, mit seinen Ideen zu spät zu kommen, zusehen zu müssen, wie andere schneller und entschlossener Chancen genutzt haben etc. Ein Gefühl von Schwäche und Unterlegenheit kann sich entwickeln. Und schließlich entsteht Angst vor jeder Art von Prüfung, Leistung und Arbeitsherausforderung. Diese Angst kann unter Umständen zu einer Prüfungsphobie oder einer Arbeitsstörung führen.
Wohl erst in der zweiten Lebenshälfte kann der Betroffene anfangen, die Sensitivität der Fischesonne und die Reflexionsfähigkeit am Talpunkt als positive Werte zu erleben, und gezielt nach beruflichen Aufgaben zu suchen, die dazu passen (was schwierig sein kann und lange dauern wird).
Allgemein kann man feststellen: Mit Schwachstellungen sind meist Versagensängste verbunden.
Nun gibt es die unterschiedlichsten Varianten von Schwachstellungen, je nachdem ob ein Planet im Zeichen (am Anfang oder Ende), im Haus (um den Talpunkt) schwach steht bzw.
unaspektiert ist oder welche Kombination vorliegt (z.B. normal im Zeichen, schwach im Haus etc.). Und der Inhalt der Angst hängt sehr stark von dem betreffenden Planeten.
und dem Haus ab, indem dieser steht. Im obigen Beispiel hätte die Sonne im 8. oder 1. Haus andere Versagensängste entwickelt. Und Venus oder Neptun an Stelle der Sonne hätten sich anders ausgewirkt, denn die Sonne ist natürlich empfindlich bei „Versagenserfahrungen“.
Es ist hier nicht der Raum, um auf alle diese Differenzierungen einzugehen.

3. Die Starkstellung:
Eigentlich möchte man nicht vermuten, dass auch (oder gerade) Starkstellungen zu großen Ängsten Anlass bieten können. Schließlich haben wir hier ja mit den Stärken im Horoskop zu tun, die sich doch im Leben gut umsetzen lassen sollten.
Bruno Huber stellte einmal auf Elba (1995) fest: „Der Punkt der Stärke kann auch der Punkt der Schwäche sein und umgekehrt.“
Und da gibt es meiner Erfahrung nach zwei Möglichkeiten.
Unter Starkstellung verstehen wir, wenn Planetenballungen vorhanden sind (Großkonjunktionen, Stelium), Planeten achsenscharf stehen, bes. an einer der Hauptachsen, stark im Zeichen (um die 12 Grad) und mit mehreren Aspekten versehen, also ins Aspektbild einbezogen sind. Dabei müssen natürlich nicht immer alle Kriterien erfüllt sein.
Stellen wir uns eine Sonne-Mars-Pluto-Konjunktion im Löwen am MC eines Horoskopes vor.

Wir haben hier zweifellos mit einer sehr starken Konstellation zu tun. Im konstruktiven Fall wird der Mensch hohe Ziele verfolgen (Pluto), für ein geistiges Ziel kämpfen (Pluto-Mars) und dabei Aufgaben durch Führungsstärke lösen (Löwesonne am MC).
Nun werden Sie mir recht geben, dass dies der denkbar günstigste Fall ist, der leider eher selten oder erst nach längeren Reifungsprozessen eintreten wird.
Im „worst case“ kann es aber auch zu gnadenlosen Rivalitäten und Machtkämpfen kommen, dazu unbedingt die Nummer Eins zu sein und zu Größenphantasien aller Art: der Retter der Menschheit oder der großartigste Politiker aller Zeiten zu sein. Daraus können nun zwei Probleme resultieren.

Problemfall 1: Angst vor Kontrollverlust und Durchbruch der aggressiven Kräfte (Überschießen der Kräfte nannte Bruno dies). Insbesondere in der Pubertät kann sich eine Ahnung einstellen auf was für Kräften, auf welcher „Bombe“ man da innerlich sitzt. Dies kann eine heftige angstgesteuerte Gegenreaktion auslösen, zu forcierten Vorstellungen von Friedfertigkeit und großen Ängsten vor Aggression. Anna Freud entdeckte diese „Verkehrung ins Gegenteil“ als Abwehrmechanismus (1936) und nannte ihn auf triebpsychologischem Gebiet „Angst vor der eigenen Triebstärke“.

Problemfall 2: Eine solche starke Konstellation, wie oben erwähnt, kann zu ausgeprägten Größenphantasien und unerfüllbaren Perfektionsforderungen führen, insbesondere wenn Planeten wie Pluto oder Saturn beteiligt sind. Dies kann eine sehr starke Angst vor dem Scheitern an den eigenen inneren Idealansprüchen ergeben. Entweder ich bringe „die totale Leistung“ oder ich bin ein Versager. Dies kann zu Leistungsblockaden führen und dazu, dass aus obigen Kräften nie reale, gute Leistungen werden.
Starkstellungen sind also oft mit Kontrollverlustängsten/Durchbruchsängsten und ebenfalls mit Versagensängsten verbunden, allerdings nicht mit der Angst, vor realen Anforderungen zu versagen, sondern vor unerfüllbaren Perfektionsansprüchen.

Auch bei den Starkstellungen gibt es wieder die vielfältigsten Variationen, je nachdem welche Planeten involviert sind, an welcher Häuserspitze und in welchem Zeichen diese stehen und wie stark die Aspektierung ist.
Auch darauf können wir hier nicht näher eingehen, wollen aber doch noch drei Spezialfälle untersuchen, die in der Praxis häufig vorkommen.

1.Unaspektierte Planeten
Wenn Planeten unaspektiert sind und schwach im Haus stehen, so fallen sie meist bei der Lebensbewältigung aus und werden durch andere Planeten ersetzt (z.B. Sonne durch Jupiter etc.). Wenn es aber wichtige Planeten sind, wie die Hauptplaneten, und an einer Häuserspitze stehen, so entsteht ein Sog von der Umwelt, tätig zu werden, Leistung zu erbringen. Da ein Planet ohne Aspekte aber vom Willen bzw. Bewusstsein kaum erreicht werden kann, entsteht schnell ein Gefühl des Ungenügens, der Eindruck, die Situation nicht in der Hand zu haben, die Anforderungen nicht zu verstehen. Erst Hilfe und Stützung, die ebenfalls aus der Umwelt kommt, führt zur Entlastung. Der betreffende Planet kann sich dann doch noch ein Stück entfalten (bei Saturn z.B. für Sicherheit sorgen). Sonst entsteht leicht wieder Versagensangst.

2. Sog-Stellung
Hier haben wir es damit zu tun, dass die „innere Stellung“ eines Planeten schwach ist, die „äußere Stellung“ aber sehr stark.
Unter der inneren Stellung verstehen wir die Stellung in Zeichen und Aspekten. Hier steht ein Planet also schwach im Zeichen, bekommt wenig Antrieb und hat wenig oder nur schwache Aspekte. Die äußere Stellung ist die im Haus. Hier steht der Planet an einer Häuserspitze.
Daraus entsteht nun das Problem: Der Planet ist seinem Wesen nach dem Bewusstsein wenig vertraut und bekommt wenig Antrieb aus dem Zeichen, aber die Häuserstellung signalisiert große Erwartungen und Anforderungen der Umwelt. Dies wird individuell leicht als ein starker Sog empfunden („Dauernd saugt die Umwelt an mir, will was von mir haben, ich bin
überfordert“).
Beispiel: Ein junger Musiker hat in seinem Horoskop die Sonne kurz nach dem MC, 2 Grad im Wassermann und nur mit einer schwachen Quincunx versehen. Dies ist eine typische Sog-Stellung. Da der Vater dieses jungen Mannes ein sehr bekannter Musiker war, bekommt der Sohn überall Vorschußlorbeeren, bekommt viel zu früh viel zu schwere Engagements, hat kaum die Zeit, innerlich in diese Rolle hineinzuwachsen. Er reagiert mit einer ausgeprägten Auftrittsangst. Sein Lampenfieber ist teilweise so stark, dass er mit sanfter Gewalt von Freunden auf die Bühne geleitet werden muss. Dort spielt er dann zwar seinen Part gut, ist aber hinterher völlig „erschossen“.

3. Die Stau-Stellung:
Hier haben wir eine sehr starke innere Stellung eines Planeten, aber eine schwache äußere Stellung.
Typisch wäre etwa die Sonne mit drei oder vier starken Aspekten auf 12 Grad Skorpion, aber am Talpunkt des 7. Hauses im eingeschlossenen Zeichen. Während der Durchsetzungs- und Erfolgswunsch der Sonne stark im Bewusstsein und Willen ausgeprägt ist und im Skorpion „kämpferische Energie“ zur Verfügung steht, blockt die Umwelt alle Bemühungen gesehen zu werden, anerkannt zu werden ab. Talpunkt und eingeschlossenes Zeichen zeigen, dass die Umwelt die Fähigkeiten und Wünsche nicht wahrnimmt und nicht unterstützt. Wie sagte Bruno zu solch einer Stellung mal so schön: „Das ist wie ein Porsche in der Garage und man findet den Garagenschlüssel nicht.“
Die betreffende Person entwickelt eine starke Angst vor Kontaktsituationen. Innerlich entsteht ein Gemisch aus zwei Ängsten: „Ich zeigs der Welt schon noch, notfalls mit Gewalt“ (Durchbruchsangst) und „Ich werds ja doch nie schaffen, bin ein Loser“ (Versagensangst). Beide Ängste richten sich im 7. Haus auf Begegnungssituationen.

In den beiden letzten Fällen dürfte nur durch langfristige und intensive Bewusstwerdungsarbeit die Aufgabenstellung begriffen und Wege zur Lösung gefunden werden (ev. mit Hilfe).

Dies mag verdeutlicht haben, wie vielfältig je nach beteiligten Planeten (von zehn), je nach involvierten Zeichen (von zwölf), je nach betreffendem Haus (von zwölf), je nach vorhandenen Aspekten und je nach innerer und äußerer Stark- oder Schwachstellung, die aufeinander treffen, das sein kann was ich als „exponierte Stellung“ definiert habe.
Entsprechend individuell können die Angstentwicklungen sein, die aus der Überforderung durch die exponierte Stellung resultieren.
Insofern kann dieser Artikel nur eine Anregung sein, weiter zu denken und selbst Erfahrungen zu sammeln.

Beispiel-Horoskop:
Wollen wir zum Abschluss noch das anfangs erwähnte Horoskop besprechen: Herr X, Jg. 1963 leidet, wie schon dargestellt, unter ausgeprägten Kontakt- und Beziehungsängsten, die ihn seit 30 Jahren jeden engeren Kontakt und vor allem jede intime Beziehung vermeiden lassen.
Wir könnten nun tiefenpsychologisch über seine Biographie versuchen zu verstehen, welche Erlebnisse und Traumata ihn so geprägt haben. Wir wollen hierauf aber aus Zeitgründen verzichten.
Stattdessen versuchen wir, über sein Horoskop zu einem besseren Verständnis seiner Ängste zu gelangen. Gibt es eine exponierte Stellung, die zu dieser starken sozialen Phobie passen würde?

Natürlich fällt sofort die
Konjunktion von Mond und Neptun auf. Beide Planeten stehen gut im Zeichen Skorpion und gut im 10. Haus. Obwohl sich der Neptun schon dem Talpunkt nähert, bremst dies seine Liebeswünsche und -phantasien wenig. Zudem stehen beide im Horoskop in der höchsten Position und haben etwas von einem Spannungsherrscher. So besehen handelt es sich um eine Starkstellung in diesem Horoskop.
Die Konjunktion von Mond und Neptun bewirkt natürlich eine überdimensionale Liebessehnsucht, ein fast unerfüllbares Idealsystem, eine gewisse Unersättlichkeit in Bezug auf Zuwendung, Nähe, Verstehen. Es entsteht nun eine extreme Enttäuschungsangst, dass diese für ihn so lebenswichtigen Bedürfnisse zurückgewiesen würden, unerfüllt bleiben könnten. Biographisch hat der Pat. erlebt, wie der Vater und ein Bruder in ähnlichen Situationen gelitten haben. Der Bruder war nach der Trennung von seiner Frau suizidgefährdet und hat sich nur mit großer Mühe wieder gefangen. Der Pat. befürchtet: „Vielleicht ginge es mir genauso?“ Sein Lieblingssatz ist ein klassisches Zitat: „Wem nie durch Liebe Leid geschah, der mag sich glücklich schätzen.“ Der Pat. hat dies erreicht: da er sich nie auf Liebe eingelassen hat, ist ihm nie Leid geschehen. Aber der Preis ist hoch und das Gefühl, ungeliebt zu sein, ebenfalls ein Leiden.

Die Tiefe dieser Problematik zeigt sich durch einen Blick ins Mondknotenhoroskop: Auch hier steht die Mond-Neptun-Konjunktion in der höchsten Stellung, allerdings im 9. Haus. Es handelt sich also um ein karmisch übergreifendes Problem, um die existentielle Auseinandersetzung mit der Frage, wie viel Liebe, Nähe, Verstehen unter Menschen möglich sein mag und wie vermieden werden kann, dass aus dem tiefen Bedürfnis tiefes Leid entsteht.
Da der Pat. hierauf bisher keine für ihn ausreichende Antwort gefunden hat, schützt ihn der Abwehrmechanismus Beziehungsangst vor dem gefürchteten Leid.

Der Konflikt des Pat. ließe sich vertieft verstehen, wenn noch die Stellung von Pluto in 9 und das Quadrat Mars Sonne sowie die Venus im eingeschlossenen Zeichen Widder im dritten Haus berücksichtigt würde, sowie Stellungen (Mond contra Venus/Jupiter) im Single-Klick-Horoskop (Karma-Klick-Horoskop). Dies aber sei nun dem geneigten Leser überlassen.